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Die ETH Zürich mäht Velos nieder

mbrennwa | 18 April, 2012 20:31

Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich (ETH) wird ja gemeinhin als Kaderschmiede und Ansammlung von wahnsinning gescheiten Köpfen angesehen. Weit gefehlt!

Vor ein paar Tagen hat die ETH-Immobilienabteilung mir und vielen anderen ETH-Velofahrern gedroht, «nicht gültig immatrikulierte» Velos zu verschrotten. Ich dachte, dieser bellende Hund würde nicht beissen, weil die Velovignette (die wohl mit «gültig immatrikuliert» gemeint war) nicht mehr ist! Aber eben, ich wiederhole: weit gefehlt!

Die Hüter der ETH-Hausordnung haben nämlich in den letzten Tagen ihre Sensemänner losgeschickt, um grausame Drohung zu vollstrecken. Das Ergebnis sieht dann so aus:

 

 

Arme Velos! Arme ETH-Angehörige!

Nun höre ich den einen oder anderen schon sagen, dass diese Veloleichen auch in ihren besten Jahren schon nicht zu den schönsten dieser Welt gehört haben. Und vielleicht waren sie auch ein bisschen kaputt und wurden ja eventuell auch nicht jeden Tag benutzt. Aber muss man sie deswegen gleich niedermetzeln? Dürfen die das? Und was ist mit den Immobilien-Sensemännern zu tun (die sind ja wohl auch nicht im engeren Sinne an der ETH «gültig immatrikuliert», oder)?

Liebe Leser, jetzt seid ihr dran: was soll mit defekten oder wenig benutzten Velos in öffentlichen Veloabstellanlagen geschehen?

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WP8F-CV3A-F33Z, KXCV-8HWS-9TGX und 2P3F-HRPZ-YVJ2

mbrennwa | 06 April, 2012 09:33

Velovignette ade! Und woher wissen die Bullen jetzt, wem die ganzen gestohlenen Velos gehören? Nicht, dass die sie sich dafür ernsthaft interessiert hätten. Ist aber trotzdem doof, oder?

Früher war das ganz einfach: Velovignette mit Bikerefinder kaufen, aufs Velo kleben, und schon war ich glücklich. Nun gibt's die Velovignette nicht mehr. Da habe ich mich also vor ein paar Tagen im Netz auf die Suche nach dem Bikerefinder gemacht, und ich hatte ehrlich gesagt einige Mühe, den BIKErefinder zu finden. Der Bikerefinder will nämlich neuerdinghs easyfinder heissen, wobei easyfinder allerdings für alle möglichen Vergesslichkeiten gut sein soll, z.B. für den Hockeyschläger, den ich im Zug liegen gelassen habe. Die Website ist sowas von unübersichtlich, dass ich das Fenster gleich wieder schliesse und mir das alles nochmal überlege (ich habe soeben nochmal nachgeschaut und muss zugeben, dass die Seite mittlerweile ein klein wenig easier daher kommt).

Aber zum Glück gibts Veloplus. Die haben nämlich den Velofinder erfunden. Alles ganz einfach, und erst noch (fast) gratis. Da registriert man seine Velos mit Beschreibung und Bild und allen möglichen Details. Wenn ein Velo abhanden kommt, meldet man das als gestohlen, und schon kann die ganze Welt nach dem Velo suchen. Ich glaube zwar nicht ernsthaft, dass die grosse weite Welt sich mehr für irgendein gestohlenes Velo interessiert als die Polizei, aber irgendwie habe ich beim Velofinder dennoch ein besseres Gefühl als beim Polizeiposten.

Sozusagen als Bonus kann man dann noch eine Velofinder-Vignette mit schickem QR-Code kaufen und aufs Velo kleben. So kann jeder Smartphone-Benutzer an der fröhlichen Suche nach gestohlenen Velos mittun (hey, das passt zu Ostern!). Auch alle anderen ohne Smartphone können mitsuchen, weil's auf den Vignetten auch einen für Menschen lesbaren Code drauf hat. Falls also jemand WP8F-CV3A-F33Z, KXCV-8HWS-9TGX oder 2P3F-HRPZ-YVJ2 findet, dann schaut beim Velofinder nach! Bitte! Ihr kriegt im Ernstfall auch eine Flasche Wein, einen Kasten Bier oder einen grossen Schoggihasen!

P.S.: das hier hing kürzlich an einem Veloparkplatz der ETH Zürich:

 
Warum nur kümmert sich die Immobilien-Abteilung um die Mobilität ihrer Mitarbeiter und Besucher? Ich weiss nicht so recht, ob ich weiterhin die Veloparkplätze der ETH benutzen soll. Die entsorgen am Ende noch mein WP8F-CV3A-F33Z.

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Tschulligung!

tamburin | 16 Februar, 2012 23:46

Heute fahre ich also auf dem einzigen Radweg in der ganzen Stadt, der vollständig von allen anderen Verkehrsteilnehmern getrennt ist, auch von den Fussgängern, und denke an nichts Böses. Im Halbdunkel geht aber doch ein untrennbarer Fussgänger auf meinem Radweg, obwohl der Fussweg bloss eine Heckenbreite entfernt ist. Halb so schlimm, also klingle ich kurz, er macht Platz, ich sause vorbei, alles klar. Als ich auf seiner Höhe bin, spüre ich den Reflex, mich zu bedanken. Ich bin schliesslich ein höflicher Mensch, und bloss, weil er aus Versehen auf der falschen Seite der Hecke unterwegs ist, brauche ich ja nicht ausfällig zu werden.

Trotzdem ist mir das eingefahren, dass ich mich reflexartig beim Fussgänger bedanken wollte, dass er den Radweg frei gemacht hat für mich. Mir ist durch den harmlosen Zwischenfall  klar geworden: Wir sind viel zu anständig! Wir Velofahrer stehen zuwenig für unsere Rechte ein! Zum Beispiel, wenn wir uns gar nichts mehr dabei denken, wenn wenn der Stadtbus wie immer aus der Stoppstrasse herausfährt und uns den Weg abschneidet. Oder wenn wir uns auf unsere Nachfrage bei der Schulleitung nach Abstellplätzen für die Schüler in der Nähe des Schulhauses (nicht mehr oder bessere Abstellplätze, nein: Abstellplätze überhaupt!) mit irgendwelchen Floskeln abspeisen lassen. Wir haben uns daran gewöhnt, der schwächere zu sein. Das sind wir nur in physikalischer Hinsicht, nicht aber in verkehrspolitischer. Da sind wir gleichberechtigt. (Ich war weder in Physik noch in Staatskunde eine Leuchte, aber soviel habe ich verstanden.)

Damit mich keiner falsch versteht hier:

Aber wenn ich auf der Strasse mit dem Velo unterwegs bin, wenn ich mit dem Velo zu einem öffentlichen Gebäude fahre, will ich meine Rechte wahrnehmen können und Platz zum Fahren und Platz zum Abstellen meines Velos kriegen. Viel mehr verlange ich nicht, aber auch nicht weniger. Da sollten wir Velofahrer selbstbewusster werden, bei allem Gebrüll über Radfahrer auf Trottoirs und an Rotlichtern. Schwarze Schafe gibt es, die sollen auch bestraft werden. Aber eine sachliche Diskussion darüber, wie der Langsamverkehr gefördert werden soll, muss trotzdem möglich sein.

Jetzt höre ich dann sicher ganz viele Geschichten über Velorowdies. Bin schon gespannt. Bei dem Fussgänger habe ich mich dann übrigens nicht bedankt. Warum sollte ich! Allerdings habe ich ihn auch nicht schief angesehen oder aggressiv angeklingelt. Warum sollte ich!

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RAATUAOO EEHLO AHLT OOOOT!

mbrennwa | 12 Januar, 2012 20:09

Wie so oft am Abend in der Stadt: die Autos stehen rat- und tatlos in langen Schlangen vor den Rotlichtern rum. Ich fahre wie immer genüsslich an einer dieser Schlangen vorbei und halte bei der Ampel. Es wird grün, ich und die Schlange legen los – und dann passiert das: eins der Schlangenautos schliesst zu mir auf, das Fenster geht runter und die Autofahrerstimme schreit «RAATUAOO EEHLO AHLT OOOOT!!!»

Ich verstehe kein Wort, bin aber überzeugt, dass meine Anwesenheit auf zwei Rädern mal wieder zu viel war für eine dieser empfindlichen vom abendlichen Verkehrsstau gereizten Autofahrerseelen. Dennoch bin ich interessiert an dem Anliegen und frage deshalb (ich muss zugeben, meine Stimme riecht bereits leicht nach Testosteron): «Hey, waaas isch looos?». Aus dem Auto tönt es jetzt klar verständlich: «Gratulation, e Velo wo haltet bi Rot!»

Mein Testosteron verwandelt sich in ein etwas verwirrtes Grinsen, und mein Daumen geht nach oben. Irgendwie cool, diese Autofahrer…

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Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

mbrennwa | 31 Oktober, 2011 22:18

Heute war auf dem Heimweg mal wieder richtig was los. Angefangen hatte es damit, dass ich vergeblich versucht hatte, mein Stahlross an eine Strassenlaterne anzulehnen. Das Ross war aber müde und ist dann gaaaanz langsam umgekippt und dabei mit diesem fiesen Kratzgeräusch der Stange entlang geschrammt. Es blieb nicht nur ein guter Teil des (sowieso schon vergammelten) Lacks am Laternenpfahl, sondern auch noch der letzte Rest White Carbon. Kaum losgefahren, wurde ich und das Ross zwischen einem Lieferwagen und dem Bordstein eingeklemmt (N.B.: unter dem Auto war ein Veloweg. Aber der war insbesondere für den Autolenker schwierig zu sehen, weil sein Sitz ja nicht durchsichtig war. Er konnte folglich nichts dafür). Weiter ging es mit einer Autotüre (gibt es eigentlich ein treffendes deutsches Wort für "doored"?) und zwei Fussgängern (einer davon besoffen), alles (inkl. Autotüre) auf Velowegen. Bei der ersten Zwischenstation angekommen nahm ich meinen Sohn in Empfang, schnallte ihn im Trailer und den Trailer am Velo fest.

Aber was interessieren mich schon Autos, Türen und Velowege. Auf der nächsten Etappe wurde es nämlich richtig lustig! Der Verkehr war bald überwunden, und ich bog mit Ross und Sohn in den Wald ein. Im Wald war's dunkel wie in einer Kuh, der Schotterweg steil wie die Rocky Mountains, der Trailer schwer wie noch eine Kuh, mein Sohn irgendwie auch, und das Stahlross hat diese neumödischen Slicks auf den Felgen. Und das beste daran: ich geniesse es! Kämpfen, kämpfen, immer weiter, bis wir oben auf dem Berg ankommen!

Wir wähnen uns schon beinahe am Etappenziel – aber dann: Kühe! In der nebligen Nacht mit Stahlross, Trailer und Nachwuchs über eine Kuhweide zu fahren ist irgendwie ziemlich cool! Danach erreichen wir dann doch das Knusperhäuschen, wo meine Tochter den Nachmittag verbracht hat. Nachdem wir in der Dunkelheit ihre sieben Sachen zusammengesucht haben und irgendwann auch ihren Bruder wieder finden (der hat sich unbemerkt ins Gebüsch geschlagen), werden im Trailer die Gurten wieder gespannt, und der Downhill geht los. Es würde zu weit gehen, hier in aller Öffentlichkeit weitere Details preiszugeben, aber: wir haben auf dem Weg nach Hause alle vor Freude geschrien (ok, das Stahlross hat erbärmlich gequietscht), und wir sind alle noch wohlauf (auch das Stahlross, ist halt aus Stahl). Gleich nochmal!

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Auf dem Veloweg von Kauderwelsch über Bastien Girod zu Benny Hill

mbrennwa | 20 September, 2011 07:34

Früher war alles besser. Da gab's zum Beispiel eine Website namens «Veloärgernisse», da konnte man Bilder und Beschreibungen von ärgerlichen Verkehrssituationen im Veloverkehr veröffentlichen, und damit die Verkehrsplaner aus der Velofahrerperspektive in die Mangel nehmen. Die Website wurde von Bastien Girod ins Leben gerufen, und ich fand das damals eine tolle Idee (und das wäre sie auch heute noch, wenn es die Website noch geben würde). Und weil Bastien Girod damals wie ich ein Student und damit automatisch total cool war, fand ich die Idee natürlich gleich noch besser. Heute bin ich (und der Bastian glaube ich auch) noch immer akademisch angehaucht, aber auch älter und überhaupt nicht mehr cool. Und deswegen war früher eben alles besser, finde ich jedenfalls.

Heute sieht das so aus: im aktuellen Velojournal (5/11) werden Bastian Girod (Grüne Zürich) und zwei andere «Velopolitiker» zum Thema Veloförderung interviewt. Da fallen Begriffe wie Mischverkehr, Entmischung, Niederlande, Velovignettenabschaffung, Velodiebstahlregister, Bundesebene, koordinierte Veloförderung, Bahnhof, Agglomerationsprogramm, Feigenblatt, ein Jahr in Holland, Strassenbauprogramm, Druck, Langsamverkehrkonzepte, Impulsprgramm, eigenständiges Verkehrsmittel, Mischzonenanteil, Modalsplit, E-Bike-Boom, Landwirtschaftswege, Schonräume, Komfort-Aspekt, Skandinavien, Grundkonflikt, Entflechtung, politische Koordination im Wesentlichen, Astra, kleinster gemeinsamer Nenner, Widerspruch, Paradigmenwechsel, in die Schranken weisen, Ballungsräume, anständige Velowege, Helmpflichtdebatte, Ständeratsdebatte, Kinderhelmpflicht, absurd, parlamentarische Tätigkeit, lancieren, breite Zustimmung, verfassungsrechtlich, Föderalismus, Verfassungsänderung, Hollandisierung, Infrastruktur, den Leuten klarmachen.

Sorry, so wird das nichts mit der Veloförderung. Ich bilde mir zwar ein, die meisten Worte zu verstehen (jaja, Akademiker halt). Aber ich habe keine Ahnung, was mir die drei mit ihren Worten sagen wollen. Nach der Lektüre des Artikels habe ich mir sogar kurz überlegt, ob wir die Veloförderung nicht lieber den SVP-Exponenten überlassen wollen. Die geben nämlich ganz einfache und verständliche Sätze von sich. Dummerweise sagen sie halt leider meistens das falsche, finde ich.

Aber vielleicht ist es ja ganz gut wenn die Politiker nicht überall neue Velowege hinpinseln und dann behaupten, sie hätten damit die Welt für die Velofahrer, die Autofahrer, die Fussgänger, die Kinder und sowieso alle verbessert. Wenn nämlich überall separate Velowege gebaut werden sollen, dann ist nämlich zumindest den Velofahrern nicht geholfen, denn:

Aber was solls. Ich fahre einfach weiter wie seit der Erfindung des Velos auf der Strasse. Das funktioniert im Fall prima, vorallem wenn man sich ein wenig auf die schönen farbigen Lichter an den Kreuzungen und die lustigen Steifen am Boden achtet.

Und sowieso, das eigentliche Veloärgernis dieser Tage ist viel schlimmer: Benny Hill hat seine Show in Zürich wegen «Terminkollisionen» vom 25. September auf den 2. Oktober verschoben. Nicht lustig! Aus Protest fahre ich trotzdem am nächsten Sonntag, halt ohne Benny Hill…

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Velowege sind für Panzer da!

mbrennwa | 04 August, 2011 09:52

Wozu sind Velowege da? Zum Panzerfahren natürlich!

Das wär mal was, wenn sich hierzulande ein Politiker ein so klares Statement für die Velofahrer zutrauen würde. Wie wärs, wenn Bastien Girod auf einem Traktor oder Daniel Leupi mit einem Bagger über Edelkarossen und andere Gegenstände auf den Schweizer Velowegen rollen würden?

Obwohl: ein Schneepflug oder eine Tunnelbohrmaschine wären mir eigentlich lieber. Dann würden nämlich nachher die Trümmer neben statt auf dem Veloweg liegen.

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There Are Nine Million Bicycles In Beijing

tamburin | 10 Juli, 2011 22:10

Ich liebe Katie Melua. Erst seit kurzem, und ich kenne sie ja nicht persönlich oder so. Entsprechend ist meine Zuneigung noch ganz leicht zurückhaltend. Ich kenne nur ihre Musik, genauer gesagt sogar nur ein einziges ihrer Lieder. Aber es war Liebe auf den ersten Blick, wenn Ihr wisst, was ich meine. Besser gesagt auf das erste Abspielen. Frau Melua hat nämlich das schönste Lied geschrieben, das ich kenne und dessen Text ein Velo erwähnt. Nichts gegen "Bicycle Race" von Queen, das ist ein temporeicher Klassesong, aber, wow, was Katie Melua da haucht, ist schon ziemlich packend. Und so voller Andeutungen und Zweideutigkeiten, nicht im anzüglichen, nein, im romantischen Sinn. Ein Beispiel sei an dieser Stelle kolportiert:
Strophe eins: "There are nine million bicycles in Beijing, that's a fact, it's a thing we can't deny, like the fact that I will love you till I die."
Wunderschön, oder? Nur schon zum Lesen, aber zum Hören erst! Allein die Vorstellung, dass neun Millionen Fahrräder in Peking unterwegs sind, ist so wunderschön romantisch-altmodisch! Jeder weiss natürlich, dass der zeitgenössische Chinese auf sein Velo pfeift und einen Mercedes will (und sich immer häufiger auch einen kauft), weshalb die Anzahl Velos in chinesischen Städten in den letzten Jahren ähnlich dramatisch abgenommen hat wie die Anzahl frei herumlaufender Regimekritiker nach 1989. Die unschuldige Naivität, mit der diese Zahl uns als Tatsache verkauft wird, ist einfach liebenswert. Bitte schick ihr keiner eine halbwegs moderne Verkehrsstatistik von Peking zu, ja?
Weiter: "That's a fact, it's a thing we can't deny". Richtig verspielt, wie Frau Melua da, nicht etwa bloss zwischen den Zeilen, eine Definition des Begriffs "Tatsache" mitliefert! Und das in einem Liebeslied! Die Frau ist allem Anschein nach so verliebt, dass es sie überhaupt nicht kümmert, wertvolle 1.8 Sekunden Tonspur darauf zu verschwenden, die von ihr gewählten Wörter zu erklären. Wo sie doch alle künstlerische Freiheit besässe, irgendwelche kryptischen, ungebräuchlichen oder auchfrei erfundenen Wörter zu verwenden, ohne dass sich jemand darüber ärgern dürfte. Würde Bob Dylan seine Texte beim Singen auch gleich noch erklären, würde sein Oeuvre heute nicht 43 Alben, sondern bestenfalls drei Lieder umfassen. (Wünschenswert wäre das aber manchmal schon. Mich würde, bitteschön, mal interessieren, was the joker und the thief in "All Along The Watchtower" zusammen zu schaffen haben.)

Jetzt aber schleunigst zurück zum Lied: "...like the fact that I will love you till I die." Erstens finde ich das einen restlos überzeugenden Liebesschwur, dass sie lebenslange Liebe schon heute als Tatsache anschaut. Müsste mir mal passieren! (Oder will sie etwa nächstens ihrem Leben ein Ende setzen?) Zweitens ist man beim Zuhören dermassen berührt, dass man leicht die Zweideutigkeit in der Zeile überhört. Gut möglich, nämlich, dass mit "you" gar nicht der Lover gemeint ist, sondern der Cruiser, oder was immer Frau Melua für ein Fahrrad ihr eigen nennt (ich persönlich hoffe ganz fest, es sind mehrere Dutzend, das kann sie sich inzwischen ja sicher leisten). Sie outet sich also durch die Blume (eine rote Rose, bestimmt) als Velo-Aficionada. Das gefällt mir sehr, sehr gut und festigt unsere noch junge Beziehung ganz beträchtlich.

Leider müssen wir an dieser Stelle die Betrachtungen über dieses Lied abbrechen, da das Velo darin in keinem anderen Zusammenhang mehr auftritt . Und weil es darin eigentlich überhaupt nicht um Velos geht, geschweige denn um Pekinger Velos. Mir doch egal! Das Lied ist schön, und Katie Melua ist schön, und Velofahren ist noch schöner. The Bicycle Goes Pop, und was will man mehr?

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Psychopfad!

mbrennwa | 19 Mai, 2011 20:03

Neulich habe ich morgens meinen Nachwuchs in den Veloanhänger gepackt und in die Kinderkrippe gebracht. Danach, auf dem Weg zur Arbeit, steht ein Artgenosse (Vater mit Kinderwagen) auf dem Veloweg. Ich bremse und klingle, weil man Artgenossen ja nicht erschrecken will. Der Artgenosse schaut mich böse an und eröffnet folgendes Gespräch:

Artgenosse (für mich etwas unerwartet auf englisch): "What the fuck is wrong with you?"

Ich (etwas hilflos auf schweizeringlisch, aber total nett): "This is a cycling path."

Artgenosse (schlagfertig, muss ich zugeben): "Hahahhaaa, a psycho path!"

Ich (die Galle kommt hoch, aber ich schlucke sie runter): "No, a C-Y-C-L-I-N-G path. Dammit."

Artgenosse (laut): "Hey, what's wrong with you? This is a footpath!"

Ich (schaue auf das Velowegzeichen, auf dem der Artgenosse draufsteht): "No."

Der Rest des Gesprächs war dann von Flüchen und sonstigen Nettigkeiten geprägt, das überlasse ich eurer Vorstellung. Irgendwann bin ich mit erhöhtem Puls einfach weitergefahren.

Was mich an dem ganzen etwas gewundert hat: einmal mehr kam ich mir als der Velofahrerdepp vor. Velofahrer sind Rowdies, machen alles falsch, scheissen auf die Verkehrsregeln, und überhaupt. Aber hey, manchmal dürfen wir eben tun, was wir tun (Velo fahren). Zum Beispiel auf Strassen oder auf Velowegen (nur so für den Fall, dass das jemand vergessen hat)! Ist es denn schon so weit, dass mit-dem-Velo-übers-Rotlicht ganz normal ist, aber dafür haben Velofahrer keine Rechte mehr? Psycho!

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Im Rotlichtmilieu von Idaho, USA

mbrennwa | 15 Februar, 2011 21:36

Nein, keine Angst. Das wird keine Schmuddelprosa hier. Keine Freier, keine Stöckelschuhe, keine schummrige Beleuchtung. Obwohl die Beleuchtung von Velos zugegebenermassen recht häufig schummrig ist. Von Rotlichtern soll aber schon die Rede sein. Von roten Ampeln, um nun endlich konkret zu werden. Und von ihrer moralischen und philosophischen Dimension. Werfen wir zu diesem Zweck und zur Abwechslung einmal einen Blick in die amerikanische Provinz. Definitiv kein anrüchiges Thema, finde ich, aber ein aufregendes.

Vor etwas über einem Jahr war nämlich in einem amerikanischen Velo-Heftli eine interessante Nachricht aus Idaho zu lesen, einem Bundesstaat im mittleren Westen der USA. Idaho: Darüber wissen wohl die meisten von uns in etwa so viel wie über das Paarungsverhalten der Fruchtfliege. Schon mal gehört.  Idaho: The Gem State.  Gleich neben Wyoming und Utah. 1.5 Mio. Einwohner, fast nur Weisse, und ein wunderbares Wappen:

Idaho-Wappen

Ein richtiger Edelstein also, dieses Idaho. Und Idaho besitzt ein sehr progressives und landes-, wenn nicht weltweit einzigartiges Gesetz. Dieses besagt, dass Velofahrer Rotlichter überfahren dürfen. Doch, dürfen sie, und zwar auf eigene Verantwortung. Das bedeutet, dass sie niemanden verklagen können, wenn sie beim Rotlichtüberfahren selber überfahren werden. Immerhin werden sie aber nicht bestraft dafür, dass sie über ein Rotlicht drüber fahren, und das ist doch schon mal etwas.

Ich bin sicher, dass sich die Amerikaner, besonders die Provinzamerikaner, der Brisanz dieser Tatsache überhaupt nicht bewusst sind. Schliesslich leben sie im Land Of The Free. Wäre ein so geartetes Gesetz nicht in de Prärie, sondern in Old Europe eingeführt worden, so wäre es bestimmt zu einem Aufschrei der Empörung gekommen. „Sonderrechte für Velorowdies, die sich sowieso schon allerhand herausnehmen! Da fahren sie alle auf dem Trottoir, und nun wollen sie auch noch die Rotlichter ignorieren!“ „Wer die Strassen benutzt, soll sich gefälligst an die Regeln halten, und die sind für alle gleich!“ So und ähnlich hätten Mitbewerber um den Strassenraum, Kolumnisten und Leserbriefschreiber gedröhnt. Nun, dass sich Velofahrer um Rolichter foutieren -- und zwar alle! Immer und überall! -- wird ihnen seit jeher vorgeworfen. Es scheint fast, als habe man in Idaho diesen unerträglichen Zustand legalisiert, um aller Nerven zu schonen.

Wann immer irgendwo über Rechte diskutiert wird, taucht früher oder später das Argument "gleiche Rechte -- gleiche Pflichten" auf. Im konkreten Fall würden Autofahrer daher einfordern, dass Radler auf der Strasse schliesslich alles dürfen und daher auch alles müssen. Hier lohnt sich allerdings ein näherer Blick auf die herrschenden Verhältnisse! Haben Velofahrer auf der Strasse wirklich dieselben Rechte wie die Autos? Dürfen sie alles, was PWs dürfen? Mitnichten! Rechtlich vielleicht schon. Aber die Realität hinkt hier zur Abwechslung dem Recht hinterher. Denn: Velofahrer sind kleiner, leichter und manchmal langsamer als Autos. Sie sind ihnen darum physikalisch nicht ebenbürtig, können es nicht sein. Anders gesagt: Nur wenn Velos die Strasse im gleichen Mass nutzen dürfen wie Autos (in der Mitte der Strasse fahren, andere Verkehrsteilnehmer abdrängen), kann man von ihnen auch verlangen, dass die gleichen Regeln gelten wie für alle andern Strassenbenützer. Sonst aber muss es mindestens gestattet sein, darüber zu diskutieren, ob gewisse Verkehrsregeln für Velos nicht gelten sollen, für Autos aber schon.

Und es gibt gute Gründe für eine Ungleichbehandlung in diesem Fall. Erstens: Velofahrer kostet es einiges an Energie und Zeit, wenn sie ihren Untersatz an einer Kreuzung zum Stillstand bringen und wieder auf Reisegeschwindigkeit beschleunigen müssen. Zweitens: Ein Velofahrer, der sich einer Kreuzung nähert, hört mehr als ein Autolenker, weil er draussen sitzt und keine Musik hört und nicht telefoniert. Er sieht mehr, weil er weiter vorne und erst noch höher sitzt. Er kann also besser als ein Automobilist beurteilen, ob gleichzeitig jemand anderes auf die Kreuzung zusteuert.

Die gute Nachricht für die Autofahrer: Die Freigabe von Rotlichtern für Radfahrer kostet sie im Fall nullkommanichts. Keine Zeit, kein Benzin (hey, damit auch kein Geld, echt wahr!) und ruhigen Blutes betrachtet auch keine Nerven. Wenn nämlich die Radfahrer die Situation richtig beurteilen, ist ja nie ein Auto in der Nähe, wenn ein Velo bei Rot über die Kreuzung pirscht. Die Bevorteilung muss den Autofahrer also nicht wirklich kümmern, denn seine eigenen Rechte werden überhaupt nicht angetastet. Genau besehen hat er ja sogar was davon, wenn weniger Velofahrer an der Kreuzung stehen und sich bei Grün wacklig in den Sattel stemmen. Freiere Fahrt, nämlich! Eine klassische Win-win-Situation also, wie man auch ohne Wirtschaftabschluss unschwer erkennen kann.

Das Urteilsvermögen der Idahoer Radfahrer am Rotlicht ist übrigens durchaus intakt: In Idaho gibt es einer Studie zufolge nicht mehr Kollisionen mit der Beteiligung von Velofahrern an Rotlichtern als in anderen US-Staaten. Freude herrscht!

Aber ausser in Idaho ist das im Moment noch überall Zukunftsmusik, und Rotlichter sind selbstverständlich für alle Verkehrsteilnehmer tabu, auch für Velofahrer. Und als Ausdruck bürgerlichen Ungehorsams ist das Überfahren eines Rotlichtes wirklich denkbar schlecht geeignet. Ich würde so etwas nie tun. Stattdessen warte ich und träume in der Zwischenzeit von Idaho, zum ersten Mal im Leben. Der wilde Westen ist auch nicht mehr, was er mal war...

 

Archer

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