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Prinzessin Lillifee fährt Rad

mbrennwa | 14 Juli, 2011 21:18

Ich hasse die Lillifee! Sie kann ja nichts dafür, aber sie ist einfach blöd. Sie hat einen Freund, den Zaubermeister Flavio. Und sie ist halt eine Prinzessin oder eine Fee, oder vielleicht sogar beides. Aber sonst gibt's über das Mädel nichts handfestes zu berichten. Sie prangt einfach als Merchandising auf allen möglichen Kinderartikeln, damit die Kinder den Kram geil finden und ihre Eltern wie wild zum Kauf von allem möglichen Zeug treiben.

So geschehen beim Kauf des ersten richtigen Velos für meine Tochter: ich betrete voller Vorfreude mit der kleinen Lillifee-Verehrerin das Velogeschäft. Ich konnte ja nicht wissen, dass da ein abscheulich rosarotes Velo steht. Und die Lillifee klebt auch noch drauf! Es war selbstverständlich völlig egal, ob das Velo passt, oder ob die anderen Velos vielleicht irgendwie besser geeignet gewesen wären. Es gibt keinen Ausweg, ich muss das hässlichste Velo aller Zeiten kaufen. Und meine Tochter fährt jetzt Lillifee…

Schlimm, so ein Lillifeevelo. Aber heimlich freue ich mich schon auf die grosse Rache! Irgendwann ist das Velo zu klein für meine Tochter. Es wird dann genau die richtige Grösse für ihren kleinen Bruder haben. Den kleinen Mann nehme ich dann mit zum Coop-DIY. Erstens gibt es dort keine Lillifee, und zweitens gibts dort ganz viele Spraydosen. Und damit machen wir dann der Lillifee auf seinem neuen Velo den Garaus!

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There Are Nine Million Bicycles In Beijing

tamburin | 10 Juli, 2011 22:10

Ich liebe Katie Melua. Erst seit kurzem, und ich kenne sie ja nicht persönlich oder so. Entsprechend ist meine Zuneigung noch ganz leicht zurückhaltend. Ich kenne nur ihre Musik, genauer gesagt sogar nur ein einziges ihrer Lieder. Aber es war Liebe auf den ersten Blick, wenn Ihr wisst, was ich meine. Besser gesagt auf das erste Abspielen. Frau Melua hat nämlich das schönste Lied geschrieben, das ich kenne und dessen Text ein Velo erwähnt. Nichts gegen "Bicycle Race" von Queen, das ist ein temporeicher Klassesong, aber, wow, was Katie Melua da haucht, ist schon ziemlich packend. Und so voller Andeutungen und Zweideutigkeiten, nicht im anzüglichen, nein, im romantischen Sinn. Ein Beispiel sei an dieser Stelle kolportiert:
Strophe eins: "There are nine million bicycles in Beijing, that's a fact, it's a thing we can't deny, like the fact that I will love you till I die."
Wunderschön, oder? Nur schon zum Lesen, aber zum Hören erst! Allein die Vorstellung, dass neun Millionen Fahrräder in Peking unterwegs sind, ist so wunderschön romantisch-altmodisch! Jeder weiss natürlich, dass der zeitgenössische Chinese auf sein Velo pfeift und einen Mercedes will (und sich immer häufiger auch einen kauft), weshalb die Anzahl Velos in chinesischen Städten in den letzten Jahren ähnlich dramatisch abgenommen hat wie die Anzahl frei herumlaufender Regimekritiker nach 1989. Die unschuldige Naivität, mit der diese Zahl uns als Tatsache verkauft wird, ist einfach liebenswert. Bitte schick ihr keiner eine halbwegs moderne Verkehrsstatistik von Peking zu, ja?
Weiter: "That's a fact, it's a thing we can't deny". Richtig verspielt, wie Frau Melua da, nicht etwa bloss zwischen den Zeilen, eine Definition des Begriffs "Tatsache" mitliefert! Und das in einem Liebeslied! Die Frau ist allem Anschein nach so verliebt, dass es sie überhaupt nicht kümmert, wertvolle 1.8 Sekunden Tonspur darauf zu verschwenden, die von ihr gewählten Wörter zu erklären. Wo sie doch alle künstlerische Freiheit besässe, irgendwelche kryptischen, ungebräuchlichen oder auchfrei erfundenen Wörter zu verwenden, ohne dass sich jemand darüber ärgern dürfte. Würde Bob Dylan seine Texte beim Singen auch gleich noch erklären, würde sein Oeuvre heute nicht 43 Alben, sondern bestenfalls drei Lieder umfassen. (Wünschenswert wäre das aber manchmal schon. Mich würde, bitteschön, mal interessieren, was the joker und the thief in "All Along The Watchtower" zusammen zu schaffen haben.)

Jetzt aber schleunigst zurück zum Lied: "...like the fact that I will love you till I die." Erstens finde ich das einen restlos überzeugenden Liebesschwur, dass sie lebenslange Liebe schon heute als Tatsache anschaut. Müsste mir mal passieren! (Oder will sie etwa nächstens ihrem Leben ein Ende setzen?) Zweitens ist man beim Zuhören dermassen berührt, dass man leicht die Zweideutigkeit in der Zeile überhört. Gut möglich, nämlich, dass mit "you" gar nicht der Lover gemeint ist, sondern der Cruiser, oder was immer Frau Melua für ein Fahrrad ihr eigen nennt (ich persönlich hoffe ganz fest, es sind mehrere Dutzend, das kann sie sich inzwischen ja sicher leisten). Sie outet sich also durch die Blume (eine rote Rose, bestimmt) als Velo-Aficionada. Das gefällt mir sehr, sehr gut und festigt unsere noch junge Beziehung ganz beträchtlich.

Leider müssen wir an dieser Stelle die Betrachtungen über dieses Lied abbrechen, da das Velo darin in keinem anderen Zusammenhang mehr auftritt . Und weil es darin eigentlich überhaupt nicht um Velos geht, geschweige denn um Pekinger Velos. Mir doch egal! Das Lied ist schön, und Katie Melua ist schön, und Velofahren ist noch schöner. The Bicycle Goes Pop, und was will man mehr?

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Weisses Carbon!

mbrennwa | 10 Juli, 2011 10:30

Für mein Alltagsvelo gilt ja «Steel is real!». Aber seit gestern habe ich ein nicht alltägliches Carbonteil an meinem Stahlrahmen. Und was für eins!

Es handelt sich um eine Rahmenbeschichtung, die das Oberrohr im Bereich zum Übergang zum Sattelrohr versteift und so den Energieverlust beim Treten vermeidet. Die Beschichtung wurde extra für meinen Rahmen angefertigt, wobei ein sehr aufwändiges Molding-Verfahren angewendet wurde, das nur von ganz wenigen Spezialisten beherrscht wird. Das Verfahren beruht auf neusten Erkenntnissen aus der Ornidiarrhoe zur Kohlenstoffanreicherung, wobei das Endergebnis im Gegensatz zu der herkömmlichen Carbonverarbeitung nicht schwarz, sondern in extravagantem weiss daher kommt!

Der Clou am ganzen ist, dass diese custom-made Teile nichts kosten! Ich verstehe die Marketingstrategie dahinter nicht ganz, aber ich vermute, die White-Carbon-Spezialisten wollen ihre Produkte zunächst weiter verbreiten und dann richtig zulangen. Die Schwierigkeit ist im Moment, dass es in der Fahrradbranche wirklich nur ganz wenige White-Carbon-Produzenten gibt, die ihr Handwerk auch verstehen. Die Schwierigkeit bei der Herstellung von Rahmenbeschichtungen oder anderen custom-mold-Teilen ist, dass die betreffende Stelle am Rahmen aus grosser Distanz präzise getroffen werden muss. Zudem wird White-Carbon mit Vorteil an heissen Sonnentagen und an der prallen Sonne verarbeitet, damit das Material durch die Sonnenstrahlung fest im Stahlrahmen eingebrannt wird.

Eine noch ungelöste Frage der White-Carbon-Technik ist allerdings, wie man die Scheisse wieder entfernt. Aber vielleicht hat ja jemand eine gute Idee, schaut selbst:

Nachtrag, 13.8.2011: ich habe das Tuning-Teil einem Dauertest von ca. einem Monat unterzogen. Das Ding hat wunderbar funktioniert, bis es von einem Sprutz WD40 aufgelöst wurde und am Rahmen runtergetropft ist. So ein Mist! :-)

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Der Tiger im Tank

tamburin | 07 Juni, 2011 10:26

Als hätte ich es nicht schon immer gewusst: Velofahren ist ein Mannschaftssport. Wie konnte ich das vergessen?

Im letzten, zwar kurzen, aber dennoch kühlen und dunklen und versalzten Winter sass ich eines Abends wieder einmal auf der Rolle. Besser gesagt auf meinem Rennvelo, welches auf die Rolle montiert war. Ich liess mich von einem Podcast berieseln. The Bike Show aus London, auf Resonance.fm (thebikeshow.net), das beste, was man über das Thema Radfahren zu hören bekommt: Kultur, Technik, Politik, Kunst, Rennsport, Musik, alles rund ums Velo. Spendet Eure nächste Gratifikation / Erbschaft / Lottomillion diesem Privatsender, und ihr werdet es nicht bereuen. Oh, nein.

An jenem Abend aber war ich nicht allein auf der Rolle. Ein junger Kater war eben eingezogen bei uns. Er wusste noch nichts von Fahrrädern, auch nicht von Hinterrädern, die mit hoher Frequenz an Ort und Stelle rotieren. Mein Puls war deshalb schon zu Beginn des Trainings höher, als er bei Grundlagentraining sein sollte. Ich konnte den Kater nämlich nicht aus meinem Gym aussperren, weil sein Katzenklo dort drin steht, und er war ja eben erst am Lernen, dass dies sein Katzenklo sei und er es immer dort vorfinden würde, wenn ihn gewisse Zwänge befielen. Seine unvoreingenommene Neugier gegenüber meinem Hinterrad (ein Gefühl, das der Gümmeler bestens kennt: Ein Unbekannter am Hinterrad) veranlasste mich denn auch zu einigen beherzten Vollbremsungen, mit denen ich zweifellos mehrmals seine Schnauze rettete. Und meine auch, denn unsere Kinder hatten den Kater zu dem Zeitpunkt bereits fest ins Herz geschlossen.
Irgendwann verlagerte sich sein Interesse auf den Lenker, denn dort befanden sich auch meine Hände, und die bewegten sich gelegentlich, waren feucht und ein bisschen salzig. Es entwickelte sich schnell ein packendes Katz-und-Maus-Spiel, wobei ich meine Rolle wohl nicht näher zu erläutern brauche. Er versuchte, meine Hände zu packen, ich versuchte, auszuweichen. Es war mit Abstand die kürzeste Stunde, die ich je auf einem stationären Fahrrad zubrachte. Und sie war nicht so extensiv, wie ich mir das vorgestellt hatte. Durch die Hochspannung, unter der ich wegen der Bestie stand, erhöhte ich unbewusst die Trittfrequenz. Vom Podcast habe ich leider nichts mitgekriegt. Mein Unterbewusstsein möglicherweise schon, das funktioniert ja angeblich so. Aber das ist eben das Tolle an einem Podcast, ich kann ihn irgendwann wieder anhören. Ohne Raubtier, vielleicht.

Während sich die Haut an meinen Händen in den darauf folgenden Tagen regenerierte, machte ich mir ein paar Gedanken. Wieso war die Stunde so kurzweilig gewesen? War das das sprichwörtliche Tigerli im Tank gewesen, obwohl ich ja nicht mal einen Akku am Velo hatte? Und dann dämmerte es mir wieder: Velofahren, ganz egal ob als Ausdauertraining, als Rennsport, im Pendelverkehr oder auf Spazierfahrt, ist eigentlich ein äusserst sozialer Sport! Sozial in dem Sinn, dass es mehr Spass macht, mit anderen Leuten zu pedalen als alleine. Ist genau wie mit dem Essen. Man kann zwar mit Junkfood vor dem Fernseher alleine seinen Hunger stillen. Aber eine Tafelrunde mit guten Freunden bereitet deutlich mehr Spass und Genuss und bleibende Erinnerungen. Das habe ich noch jedes Mal so empfunden, wenn ich nicht alleine gefahren war. Nur war mir nicht immer klar gewesen, dass es die Gesellschaft war, die eine Runde zu etwas besonderem gemacht hat. Vorausgesetzt natürlich, erstens, man hat sich den Partner selber ausgesucht, und zweitens, es kommt nicht zu einer Rennsituation.

Diese Erleuchtung befiel mich so früh in diesem Kalenderjahr, dass ich sie spontan zu einem guten Vorsatz verwursten konnte: Ich nahm mir fest vor, diese Saison möglichst selten alleine Velo fahren zu gehen. Dadurch werden sich bestimmt viel mehr Kilometer zusammenläppern, womit jede Ausfahrt dank des besseren Trainingsstandes wiederum noch leichter fällt. Yeah! Jetzt muss ich nur noch ein paar Kumpels finden, und mein Weg in den Radsport-Olymp oder wahlweise auf eine Velo-Weltreise ist geebnet. Und Kumpels zu machen war ja noch nie so einfach wie im Zeitalter von Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Mein Kater kriegte eine Extraportion Brekkies, nachdem mir dieses Licht aufgegangen war. Ich selber gönnte mir zwei Bier und eine Tüte Chips. Die ganze Tretarbeit muss ja ich verrichten.

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Psychopfad!

mbrennwa | 19 Mai, 2011 20:03

Neulich habe ich morgens meinen Nachwuchs in den Veloanhänger gepackt und in die Kinderkrippe gebracht. Danach, auf dem Weg zur Arbeit, steht ein Artgenosse (Vater mit Kinderwagen) auf dem Veloweg. Ich bremse und klingle, weil man Artgenossen ja nicht erschrecken will. Der Artgenosse schaut mich böse an und eröffnet folgendes Gespräch:

Artgenosse (für mich etwas unerwartet auf englisch): "What the fuck is wrong with you?"

Ich (etwas hilflos auf schweizeringlisch, aber total nett): "This is a cycling path."

Artgenosse (schlagfertig, muss ich zugeben): "Hahahhaaa, a psycho path!"

Ich (die Galle kommt hoch, aber ich schlucke sie runter): "No, a C-Y-C-L-I-N-G path. Dammit."

Artgenosse (laut): "Hey, what's wrong with you? This is a footpath!"

Ich (schaue auf das Velowegzeichen, auf dem der Artgenosse draufsteht): "No."

Der Rest des Gesprächs war dann von Flüchen und sonstigen Nettigkeiten geprägt, das überlasse ich eurer Vorstellung. Irgendwann bin ich mit erhöhtem Puls einfach weitergefahren.

Was mich an dem ganzen etwas gewundert hat: einmal mehr kam ich mir als der Velofahrerdepp vor. Velofahrer sind Rowdies, machen alles falsch, scheissen auf die Verkehrsregeln, und überhaupt. Aber hey, manchmal dürfen wir eben tun, was wir tun (Velo fahren). Zum Beispiel auf Strassen oder auf Velowegen (nur so für den Fall, dass das jemand vergessen hat)! Ist es denn schon so weit, dass mit-dem-Velo-übers-Rotlicht ganz normal ist, aber dafür haben Velofahrer keine Rechte mehr? Psycho!

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Ich bin auch ein Velo, eine Rikscha, oder vielleicht doch ein Motorrad

mbrennwa | 29 April, 2011 10:45

Heute musste ich mal wieder lachen. Nach dem Lachen stellte sich aber eine ernüchternde und existenzielle Frage: was ist eigentlich ein Velo?

Da steht doch in der Zeitung, dass die Rikscha Taxi Schweiz GmbH nicht mit ihren Göppeln Touristen durch die schweizer Städte kutschieren darf, weil ihre Rikschas keine Velos, sondern Motorräder seien. Warum man die Touristen nicht mit Motorräder rumfahren darf ist mir ein Rätsel. Aber das noch grössere Rätsel ist die Begründung des Astra, warum die Rikschas Motorräder seien: die haben Sitzbänke! Jawohl! Es liegt nicht etwa daran, dass die Göppel einen Motor haben, wie das bei Motorrädern halt so ist. Sitzbänke! Warum hat das Astra die Rikschas nicht gleich zu einer Parkanlage oder einem Warteraum gemacht? Zum brüllen!

Aber was ist denn nun eine Rikscha eigentlich? Das Astra scheint mir in dieser Frage nicht ganz kompetent. Da schaue ich lieber bei Wikipedia nach. Dort steht: "Rikschas ... sind kleine, zweirädrige von einem Menschen gezogene Gefährte zur Personenbeförderung (sog. Laufrikschas)." Das ist dann wohl das Ding, womit Usain Bolt seine Betreuuer im Letzigrund über die Runde zieht (und nicht etwa umgekehrt).

Die Dinger gibt's auch mit Pedalen: "In der letzten Zeit werden auch Rikschas gebaut, die mit einem Fahrrad angetrieben werden. Diese Gefährte heißen dann Fahrradrikscha (auch: Fahrradtaxi)."

Zum Thema Motor heisst es: "In Indien und vielen anderen süd- und südostasiatischen Länder finden sich sogenannte Motor- oder Autorikschas, dabei handelt es sich um Trikes, die entweder mit einem Zweitakt- oder einem Dieselmotor betrieben werden." Und: "Rikschas gelten auch mit Elektromotor als Fahrräder und werden [in Deutschland] rechtlich als Pedelec eingestuft." Also doch ein Velo?

So, jetzt also die Frage aller Fragen: was ist eigentlich ein Velo? Nach obigem Wirrwarr weiss es (nicht) mehr. Aber Wikipedia hilft, wie so häufig: "Ein Fahrrad, kurz Rad, schweizerisch Velo (vom frz. le vélo, Kurzform für vélocipède ‚Schnellfuß‘; lat. velox ‚schnell‘ und pes ‚Fuß‘), ist ein zumeist zweirädriges, einspuriges Landfahrzeug, das mit Muskelkraft durch das Treten von Pedalen angetrieben wird." Ja, Muskelkraft! Nix Motor! Im ganzen Artikel steht nichts von Velos mit Motoren dran! Mann, bin ich froh, dass Elektrogöppel keine Velos sind...

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Wenn beim Schalten Naben walten (oder so)

tamburin | 22 April, 2011 22:20

Wohlan, es ist Zeit. Zeit, zu preisen und lobzuhudeln. Zeit, Fakten zu würdigen und mit Vorurteilen aufzuräumen. Denn die Velosaison steht vor der Tür (mindestens!), zusammen mit vielen willigen – kaufwilligen – Velofahrerinnen und Velofahrern. Und denen soll hier in aller Deutlichkeit gesagt werden: Wer beim Kauf eines neuen Velos nicht mindestens prüft, ob ihn eine Nabenschaltung glücklich machen könnte, der ist selber schuld an seinem Unglück. Oh doch, eine Nabenschaltung kann glücklich machen!

Aber eines nach dem andern. Das Wort „Nabenschaltung“ klang selbst in den Ohren von echten Liebhabern des Zweirads bis vor kurzem etwa so sexy wie „Stützstrümpfe“ im Gehör von modebewussten Sonntagsjoggern. Während aber Stützstrümpfe inzwischen an Triathlons oder Marathonläufen keinerlei Aufsehen mehr erregen, haben Nabenschaltungen immer noch eine handverlesene Fangemeinde. Wer Stützstrümpfe trägt, demonstriert nämlich höchste Seriosität (stimmt ja auch: keiner, der’s nicht wirklich sehr, sehr ernst meint mit seinem Sport, würde sich mit Stützstrümpfen an die Öffentlichkeit wagen, unter uns gesagt). Im Gegensatz dazu werden Benutzer von Nabenschaltungen immer noch gern als ewiggestrig belächelt.

Das hat seinen Grund vielleicht darin, dass hierzulande alle Velofahrer über fünfunddreissig auf einer Nabenschaltung schalten gelernt haben. Auf einer Sturmey-Archer-Dreigangschaltung, nämlich. Nicht zum Töten war die, weshalb sie jetzt auch in poppigen Farben und mit Starrlauf (doch, das gibt’s!) ein Revival feiern darf. Aber eben, mit den Achtzigern wurde die Kettenschaltung für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Waren bis dahin nur die ehrfürchtig „Halbrenner“ genannten Fünfgang-Velos oder die echten Rennvelos mit Kränzen und Umwerfern versehen, so wurden die Teile plötzlich an allen möglichen Velos verbaut. Egal, ob der Käufer mit dem Velo Kriterien fuhr oder Einkäufe von der Waro oder vom Usego nach Hause fahren wollte. Kettenschaltungen waren enorm angesagt. Erst recht Mitte der Achtzigerjahre, als das Mountainbike über Mitteleuropa hereinbrach und mit ihm der schlechte Geschmack (nur ein Stichwort dazu: Neonfarben). Gut möglich, dass in jener finstren Zeit gar keine Nabenschaltungen mehr hergestellt wurden.

Mitte der Neunzigerjahre hatte auch ich mich damit abgefunden, dass ich bei technischen Problemen mit meiner Dreigangschaltung zum Velomech im Schuppen hinter der Langstrasse musste, weil die durchschnittlichen Mechaniker keine Nabenschaltungen mehr reparieren konnten oder wollten. Das kam allerdings nicht sehr oft vor, denn, um es vorweg zu nehmen, technische Probleme und Dreigangschaltungen treten für gewöhnlich so oft zusammen auf wie Weihnachten und Ostern oder Hugo Koblet und Fabian Cancellara.

Damit sind wir auch bereits beim zentralen Punkt angelangt: Nabenschaltungen sind einfach besser. Mindestens, wenn man nicht rennmässig unterwegs ist. Möglicherweise aber auch dann. Argumente gibt’s haufenweise. Hier eine klitzekleine, willkürliche Auswahl, für jeden etwas:
Für Stadtradlerinnen, unterwegs ins Büro oder von der Maniküre nach Hause: Ketten fallen nicht raus, wenn sie nabengeschaltet werden. Schwarze Finger gehören damit der Vergangenheit an wie der Migros-Verkaufswagen im Quartier.

Für Gelegenheitsfahrer und Kinder: Nabenschaltungen lassen sich auch im Stand schalten. Man braucht sich also nicht bereits beim Bremsen zu überlegen, wie man später wieder auf Touren kommt, sondern legt einfach dann einen leichten Gang ein, wenn man ihn braucht.
Für Fernreisende, Faulpelze und Leute, die technisch nicht besonders bewandert sind: Eine Nabenschaltung muss man so gut wie nie warten oder reparieren. Ich habe zwar ganz ehrlich nur eine ziemlich diffuse Vorstellung davon, was in der Büchse drin abgeht, aber das muss mich auch nicht kümmern, denn ich werde mich voraussichtlich nie damit herumschlagen müssen, weil sowieso nie was kaputt geht. Wer sich aber schlecht fühlt, wenn er seine Schaltung nicht regelmässig mit einem Schaumbad verwöhnen kann, der nimmt halt mal einen Ölwechsel vor, sofern er ein Modell mit Ölbad hat. Für diese Klientel gibt sogar so was Schickes wie Winter- und Sommeröl!

Für Modebewusste, die ihr Velo auch in den hellen Sommerhosen benutzen wollen: An ein Velo mit Nabenschaltung kann man einen schwimmenden Rundum-Kettenschutz montieren, so dass man die Kette überhaupt nicht mehr sieht und folglich auch kein Kettenöl an die Hosenbeine schmieren kann.

Und, um jetzt mal eine Pause einzulegen, für Feinde von technischem Schnickschnack: Nabenschaltungen sind bedienerfreundlich. Es braucht nur einen einzigen Schalthebel. Nach zwei Minuten hat man verinnerlicht, in welche Richtung man drehen muss, um fixer oder entspannter zu pedalieren und kann sich Wichtigeren Aktivitäten zuwenden. Beispielsweise dem Beobachten des Verkehrs oder der Landschaft.
Solcherlei hat sich in den letzten Jahren auch in den Entwicklungsabteilungen der grossen Teilehersteller herumgesprochen. Seither sind Nabenschaltungen nicht mehr nur vom Tüftler oder auf der Teilebörse erhältlich. Es gibt sie mit sieben, acht, elf oder vierzehn Gängen in den meisten Modellreihen von Stadtvelos. Die Entdeckung des Zahnriemens für das Velo hat hier sicher geholfen, ebenso der Retrovelo-Trend.
Vierzehn Gänge (keine Namen hier, aber wer mehr wissen will: www.rohloff.de) sind zwar deutlich weniger, als die modernsten Kettenschaltungen mit ihren Kranzorgien anpreisen. Aber bei den Kettenschaltungen gibt es erstens ja die Gänge, die wegen der starken Überkreuzung der Kette nicht genutzt werden können, und zweitens die Gänge, die mehrmals vorkommen. Viel mehr als vierzehn bleiben da auch nicht übrig. Ganz abgesehen davon: viel mehr braucht der Mensch auch nicht, denn den Unterschied zwischen dem 23. und dem 24. Gang spürt man beim Fahren sowieso viel weniger als den Gegenwind im Gesicht, die letzte Mahlzeit im Magen oder die Tasche auf dem Gepäckträger.
Halt, eines hätte ich fast vergessen: Die Ästhetik! Kein Fahrrad wirkt so schlicht, edel, aufgeräumt, einfach anmutig wie ein modernes Hardtail-Mountainbike mit Nabenschaltung. Das muss man gesehen haben. Die ganzen Kabel, Hebel, Umwerfer, Kränze: Einfach weg! Reduce to the max! könnte man sagen, ohne leichtfertig zu sein. Es ist diese schlichte Optik, die dem genial einfachen Grundprinzip des Apparates Fahrrad genau entspricht.

Darum: Wer keine Rennen fährt und nicht auf jedes Gramm schauen muss (Obacht: Karbonprotze müssen nicht auf jedes Gramm schauen, sie wollen das einfach. Vielleicht wissen sie nicht, wohin sie sonst mit dem Geld sollen.), der dürfte mit einer Nabenschaltung mehr als nur zufrieden sein. Nämlich glücklich.

P.S.: Es gibt inzwischen auch Rennteams in der deutschen Cross-Country-Szene, die mit Nabenschaltungen unterwegs sind.

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Von Velos und Zeitungen

mbrennwa | 14 April, 2011 15:47

Am letzten Sonntag will ich meine gewohnte Sonntagslektüre aus dem Briefkasten nehmen. Ich staune nicht schlecht, als da anstatt der NZZ am Sonntag eine Sonntagszeitung liegt. Einfach so, ohne Werbe- oder sonstigem Bekennerschreiben. Was der Bauer nicht kennt, das liest er nicht, denke ich.

Aber halt! Auf der Frontseite sehe ich ein Velobild, darüber steht "Rauf aufs Velo!". Ok, dann lese ich's halt... Ein Interview mit einem Velodieb ("Velo weg!"), ein Portrait der Weltmeisterin im Track Stand ("Nicht mehr runter vom Velo!"), ein Hoch auf Elektrogöppel mit unverschwitzten Stadtpräsidenten ("Krawatten auf die Velos!"), eine Angstmache vor dem ach-so-bösen-und-gefährlichen Autoverkehr in der Stadt ("Finger weg vom Velo!") und ein paar Noten zum Fahrstil von Supermodels und Brigitte Bardot auf Velos ("Velofahren macht schön!"). "Rauf aufs Velo!". Hä?

Und heute lese ich im Online-Tagi den Artikel "Grüne an der Macht: Das hat sich für Velofahrer verbessert". Nein, genauer: ich klicke den Artikel an, beginne zu lesen, rege mich auf, und schliesse das Fenster noch vor ich den Artikel fertig gelesen habe. Warum muss Velofahren grün sein? Und, lieber Herr Leupi, was bringt's mir als Alltagsvelofahrer, wenn die Stadtpolizei neuerdings auf schicken Bikes durch die Fussgängerzonen radelt? Aber folgender Satz gefällt mir, weil er verdammt richtig ist: "Zudem sei die Signalisierung von Velowegen ein Flickwerk." Jawoll! Richtig! Lieber Urs Walter, Velobeauftragter des städtischen Tiefbauamtes in Züri, fahren Sie doch mal mit Ihrem Velo durch die Stadt und versuchen Sie sich an die Velowegsignalisation zu halten. Seien Sie bitte vorsichtig und übertreiben Sie nicht, sonst wird's gefährlich. Wenn ich Bussen für idiotische und unverständliche Velosignalisation eintreiben dürfte, dann wäre ich so reich wie Roger Federer, Bill Gates, Muamar al-Gadaffi und die Billag zusammen.

Hoffentlich habe ich nächsten Sonntag wieder die NZZ im Briefkasten.

Sturmey

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Fliegen Grüne ausschliesslich?

tamburin | 13 März, 2011 21:10

Eigentlich gehört das jetzt ja nicht recht hierher, weil dieser Blog nicht ein politischer sein soll. Aber was sich da zugetragen hat, betrifft VelofahrerInnen eben schon. Aber der Reihe nach.

Ich fahr also am letzten Freitag mit der Rhätischen Bahn. Auf der Plattform des Wagens stehend, kurz vor dem Aussteigen, kann ich nicht anders, als eine kurze Unterhaltung mitzuhören. Eine Dame zwischen sechzig und siebzig, weisser Kurzhaarschnitt, hört ihrerseits die Unterhaltung einer Skitourengruppe auf dem Rückweg ins Mittelland mit. Es geht darum, wer wo um- oder aussteigt und welchem weiblichen Gruppenmitglied die Skier nach Hause trägt. An dieser Stelle schaltet sich die besagte Dame ein: "Manchmal wäre halt so ein Auto (ausgesprochen wie in "Auto: Igitt!" Anm. d. Red.) schon noch praktisch, nicht wahr?" "Fahren Sie denn nicht mehr Auto?" fragt einer der Tourenfahrer - offensichtlich mehr aus Höflichkeit als aus Interesse - zurück. Die trockene Antwort: "Ich bin Mitglied der grünen Partei." Punkt, Thema erledigt. Sie hätte auch sagen können: "Mein Enkel kommt jetzt auch schon bald in den Kindergarten." Das hätte ungefähr gleich viel mit der Beantwortung der Frage zu tun gehabt.

Ich meinerseits hätte fragen können: „Und Grüne fahren nie Auto, sondern fliegen immer, weil Engel ja Flügel haben?“ Hab ich aber nicht getan, weil ich etwas platt war ob so viel Selbstgerechtigkeit.

Und hier kommt nun die Bedeutung für uns Velofahrer: Eine starke grüne Partei in den Parlamenten von Gemeinden, Kantonen und Bund oder überhaupt eine schwungvolle Umweltbewegung könnte sicher mithelfen, bessere Randbedingungen für Alltagsvelofahrer auf den Schweizer Strassen zu schaffen. Aber die Partei, so wie die ganze Umweltbewegung in der Schweiz, leidet unter genau solchen Leuten wie der netten Dame aus dem Zug. Diese vermitteln das Bild des dogmatischen Umweltschützers: wer "grün" ist, fährt nicht Auto, fliegt nicht, raucht nicht, trägt handgestrickte Sachen und Ledersandalen, isst bio-vegetarisch, rasiert sich selten bis nie (Männer) oder trägt bunte Tücher um den Kopf geschlungen (Frauen) und träumt vom Paradies. Ein Fröscheschützer und Zucchetti-Selbstversorger. Ein grüner Fundi, eben, ziemlich unsexy. Und dieses Klischee wird dann jedem um die Ohren gehauen, der sich im Betrieb, in der Gemeinde oder sonst irgendwo für den Umweltschutz einsetzt. Das geht so weit, dass sich Leute von Pro Velo, der Lobbyorganisation der Velo Fahrenden, Sorgen machen müssen, "in die grüne Ecke gestellt" zu werden. Grün droht zum Unwort zu werden!

Dabei gibt es ja auch die anderen. Bei den Grünen in Deutschland wurden sie früher Realos genannt. Allgemein: Umweltbewusste Leute, egal, welcher politischen Ausrichtung, die sich mit Lust und Vernunft Mühe geben, möglichst wenig Dreck zu machen, während sie ihr Leben leben. Missionieren nicht, nörgeln nicht, machen einfach vor der eigenen Türe sauber. Wenn der neue Kühlschrank der Energieeffizienzkategorie A nicht in den Veloanhänger passt, dann leih ich mir halt kurz Nachbars Auto aus. zu Grossmutters Beerdigung in Amerika flieg ich natürlich schon hin (ich verteil dann dafür nicht die ganze Asche im Wind). Aber die Pragmatiker  kriegen immer wieder eins auf den Deckel von ihren Mitmenschen, die genervt sind von den "grünen Fundis" mit ihrem Anspruch, den einzig richtigen Weg zu gehen. Nähme mich wunder, wie viele Leute sich morgen wieder mit dem Auto auf den Weg zur Arbeit machen, nur aus Trotz und um den „Grünen“ zu zeigen, wo diese sie mal können.

Die Realos gibt es aber auch bei der grünen Partei. Und darum wähle ich auch das nächste Mal Grün, wenn ein grüner Kandidat irgendwo zur Wahl steht. Der Dame im Zug habe ich übrigens nichts geantwortet. Es kam mir irgendwie fundimässig vor, sie ungefragt belehren zu wollen...

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Hey, das ist öffentlicher Grund hier!

mbrennwa | 26 Februar, 2011 16:21

Neulich vor der St.-Jakobskirche in Züri. Beste Lage in der Altstadt sozusagen. Ich suche ein Plätzchen, wo ich mein Velo abstellen kann. Und zwar so, dass ich es mit dem Schloss auch irgendwo "anbinden" kann. Am Kirchgemeindehaus hat's ein Fenstergitter (war das mal ein Gefängnis?), da passt das Schloss wunderbar durch. Kein Dieb auf der Welt will am Kirchgemeindehaus das Gitter absägen, um mein Velo zu klauen. Perfekt, glaube ich.

"HALT! Das gooaht abr niit" werde ich von hinten in breitem bündner Dialekt angefaucht. Etwas perplex frage ich: "Warum?" Der Bündner anwortet, das sei hier öffentlicher Grund, und überhaupt sei er (der Bünder) hier der Hauswart. Aber die Polizei wolle er nicht rufen, meint der Hauswart vielsagend. Da bin ich aber froh, dass ich nicht einglocht werde, weil ich mein Velo auf öffentlichem Grund abstellen wollte.

Aber mit einem Hauswart will man sich ja lieber nicht anlegen. Die haben einfach immer recht, noch mehr als die Polizei (darum musste man sie wohl auch nicht rufen). Auch wenn ich das Argument vom öffentlichen Grund nicht ganz nachvollziehen kann und die Kompetenz des Hauswarts in der Ausübung seiner law-and-order-Mission im öffentlichen Raum ein klein wenig in Frage stelle, ziehe ich weiter.

Hinter dem Kirchgemeindehaus ertappe ich eine feine Dame im Pelzmantel, wie sie heimlich an einer Schnapsflasche in einem braunen Papiersack ihren Durst löscht (Lance Armstrong trinkt mit Sicherheit nicht viel schneller aus seinem Bidon). Die Pelzdame lächelt mich verlegen an und zieht dann beschwingt weiter. An ihrem Rastplatz finde ich einen Blitzableiter... Hey, da passt mein Schloss gerade durch! Wenn sie da saufen darf, darf da auch mein Velo stehen. Perfekt!

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Sturmey

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Im Rotlichtmilieu von Idaho, USA

mbrennwa | 15 Februar, 2011 21:36

Nein, keine Angst. Das wird keine Schmuddelprosa hier. Keine Freier, keine Stöckelschuhe, keine schummrige Beleuchtung. Obwohl die Beleuchtung von Velos zugegebenermassen recht häufig schummrig ist. Von Rotlichtern soll aber schon die Rede sein. Von roten Ampeln, um nun endlich konkret zu werden. Und von ihrer moralischen und philosophischen Dimension. Werfen wir zu diesem Zweck und zur Abwechslung einmal einen Blick in die amerikanische Provinz. Definitiv kein anrüchiges Thema, finde ich, aber ein aufregendes.

Vor etwas über einem Jahr war nämlich in einem amerikanischen Velo-Heftli eine interessante Nachricht aus Idaho zu lesen, einem Bundesstaat im mittleren Westen der USA. Idaho: Darüber wissen wohl die meisten von uns in etwa so viel wie über das Paarungsverhalten der Fruchtfliege. Schon mal gehört.  Idaho: The Gem State.  Gleich neben Wyoming und Utah. 1.5 Mio. Einwohner, fast nur Weisse, und ein wunderbares Wappen:

Idaho-Wappen

Ein richtiger Edelstein also, dieses Idaho. Und Idaho besitzt ein sehr progressives und landes-, wenn nicht weltweit einzigartiges Gesetz. Dieses besagt, dass Velofahrer Rotlichter überfahren dürfen. Doch, dürfen sie, und zwar auf eigene Verantwortung. Das bedeutet, dass sie niemanden verklagen können, wenn sie beim Rotlichtüberfahren selber überfahren werden. Immerhin werden sie aber nicht bestraft dafür, dass sie über ein Rotlicht drüber fahren, und das ist doch schon mal etwas.

Ich bin sicher, dass sich die Amerikaner, besonders die Provinzamerikaner, der Brisanz dieser Tatsache überhaupt nicht bewusst sind. Schliesslich leben sie im Land Of The Free. Wäre ein so geartetes Gesetz nicht in de Prärie, sondern in Old Europe eingeführt worden, so wäre es bestimmt zu einem Aufschrei der Empörung gekommen. „Sonderrechte für Velorowdies, die sich sowieso schon allerhand herausnehmen! Da fahren sie alle auf dem Trottoir, und nun wollen sie auch noch die Rotlichter ignorieren!“ „Wer die Strassen benutzt, soll sich gefälligst an die Regeln halten, und die sind für alle gleich!“ So und ähnlich hätten Mitbewerber um den Strassenraum, Kolumnisten und Leserbriefschreiber gedröhnt. Nun, dass sich Velofahrer um Rolichter foutieren -- und zwar alle! Immer und überall! -- wird ihnen seit jeher vorgeworfen. Es scheint fast, als habe man in Idaho diesen unerträglichen Zustand legalisiert, um aller Nerven zu schonen.

Wann immer irgendwo über Rechte diskutiert wird, taucht früher oder später das Argument "gleiche Rechte -- gleiche Pflichten" auf. Im konkreten Fall würden Autofahrer daher einfordern, dass Radler auf der Strasse schliesslich alles dürfen und daher auch alles müssen. Hier lohnt sich allerdings ein näherer Blick auf die herrschenden Verhältnisse! Haben Velofahrer auf der Strasse wirklich dieselben Rechte wie die Autos? Dürfen sie alles, was PWs dürfen? Mitnichten! Rechtlich vielleicht schon. Aber die Realität hinkt hier zur Abwechslung dem Recht hinterher. Denn: Velofahrer sind kleiner, leichter und manchmal langsamer als Autos. Sie sind ihnen darum physikalisch nicht ebenbürtig, können es nicht sein. Anders gesagt: Nur wenn Velos die Strasse im gleichen Mass nutzen dürfen wie Autos (in der Mitte der Strasse fahren, andere Verkehrsteilnehmer abdrängen), kann man von ihnen auch verlangen, dass die gleichen Regeln gelten wie für alle andern Strassenbenützer. Sonst aber muss es mindestens gestattet sein, darüber zu diskutieren, ob gewisse Verkehrsregeln für Velos nicht gelten sollen, für Autos aber schon.

Und es gibt gute Gründe für eine Ungleichbehandlung in diesem Fall. Erstens: Velofahrer kostet es einiges an Energie und Zeit, wenn sie ihren Untersatz an einer Kreuzung zum Stillstand bringen und wieder auf Reisegeschwindigkeit beschleunigen müssen. Zweitens: Ein Velofahrer, der sich einer Kreuzung nähert, hört mehr als ein Autolenker, weil er draussen sitzt und keine Musik hört und nicht telefoniert. Er sieht mehr, weil er weiter vorne und erst noch höher sitzt. Er kann also besser als ein Automobilist beurteilen, ob gleichzeitig jemand anderes auf die Kreuzung zusteuert.

Die gute Nachricht für die Autofahrer: Die Freigabe von Rotlichtern für Radfahrer kostet sie im Fall nullkommanichts. Keine Zeit, kein Benzin (hey, damit auch kein Geld, echt wahr!) und ruhigen Blutes betrachtet auch keine Nerven. Wenn nämlich die Radfahrer die Situation richtig beurteilen, ist ja nie ein Auto in der Nähe, wenn ein Velo bei Rot über die Kreuzung pirscht. Die Bevorteilung muss den Autofahrer also nicht wirklich kümmern, denn seine eigenen Rechte werden überhaupt nicht angetastet. Genau besehen hat er ja sogar was davon, wenn weniger Velofahrer an der Kreuzung stehen und sich bei Grün wacklig in den Sattel stemmen. Freiere Fahrt, nämlich! Eine klassische Win-win-Situation also, wie man auch ohne Wirtschaftabschluss unschwer erkennen kann.

Das Urteilsvermögen der Idahoer Radfahrer am Rotlicht ist übrigens durchaus intakt: In Idaho gibt es einer Studie zufolge nicht mehr Kollisionen mit der Beteiligung von Velofahrern an Rotlichtern als in anderen US-Staaten. Freude herrscht!

Aber ausser in Idaho ist das im Moment noch überall Zukunftsmusik, und Rotlichter sind selbstverständlich für alle Verkehrsteilnehmer tabu, auch für Velofahrer. Und als Ausdruck bürgerlichen Ungehorsams ist das Überfahren eines Rotlichtes wirklich denkbar schlecht geeignet. Ich würde so etwas nie tun. Stattdessen warte ich und träume in der Zwischenzeit von Idaho, zum ersten Mal im Leben. Der wilde Westen ist auch nicht mehr, was er mal war...

 

Archer

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Happy Birthday Velopflock!

mbrennwa | 11 Februar, 2011 11:24

Heute an der twoo: zwei Velophile werden zu einer Initiative über Pädophile befragt, währenddem die beiden eigentlich mit dem Smartphone des einen den veloblog lesen wollten. Das ging dann schief, weil das ach-so-smarte Phone lieber http://veloplg.ch anschauen wollte. Kein Wunder, die beiden hatten nach all den übergewichtigen Technovelos mit Elektromotor und Gashebel etwas zuviel von dieser neumödischen Elektronik. Nur die Pädovelos (sprich Kindervelos) haben noch keinen Motor, und das lässt doch hoffen. Und dann gibt's noch so holländische Designvelos ohne Motor. Laut Auskunft des Spezialisten ist bei denen das Rücklicht hinten. Aha. Die twoo war so mittelmässig. Gar klein und stromdominiert. Und ganz nebenbei hat die SBB den Preis der Velo-Tageskarten um 20% angehoben. Pflöcke! Und da wurde aus veloplg der velopflock-Blog. Weil wir ausserdem einen Pflock einschlagen wollen für spassorientiertes Velofahren im Alltag, kein Biker-, Gümmeler-, Technik- oder Grünen-Blog. Ein Einfach-Velofahren-Blog.

Happy Birthday Velopflock!

Sturmey und Archer

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