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E.T. phone home. Der Akku sollte reichen.

tamburin | 26 November, 2011 23:03

Ich habe diese Woche dank einem Beitrag über ein elektrisch angetriebenes Fahrrad in einer Fachzeitschrift eine Einsicht gewonnen. Ein Vorgang, den ich nicht mehr für möglich gehalten hätte. Es ging um das erste E-Bike der Schweizer Firma Stöckli. Ich hatte schon Angst, die hätten ihre Entwicklungsabteilung zugemacht. Nun bin ich aber beruhigt. Sie haben vermutlich bloss alle verfügbaren Ingenieure auf motorisierte Velos abgestellt, so wie die meisten anderen Marken auch.

Den Einstieg ins E-Geschäft kann man Stöckli ja nicht verargen. Keiner verargt einem Teenager, dass er sich eine Tätowierung stechen lässt, weil das seine Altersgenossen auch tun. Aber, mit  Verlaub, der Schuss ist ja wohl nach hinten losgegangen. Auf den ersten Blick findet man das Gefährt gleich etwas eigenartig, man weiss aber nicht sofort warum. Erst wenn man nochmals zu der Anzeige zurückblättert, fällt einem auf: das arme Ding hat einen furchtbar dicken Hals! Die Sattelstütze ist mindestens armdick, wie überhaupt das ganze Sattelrohr. Solche Monstrositäten kennt man ja von Zeitfahrmaschinen. Dort kann man aber einmal leer schlucken und zwischen den Backenzähnen herauspressen: wer schnell sein will, muss halt leiden. Und vielleicht ist das ja auch der Grund, warum das Stöckli-E-Velo so hässlich aussieht: es will schnell sein. Andererseits: andere Stromvelos sind ja auch schnell - denn für etwas werden sie den Motor ja haben - aber sehen sie deswegen aus wie der Glöckner von Nôtre-Dame? Nein! Hier aber hat sich der Akku den ganzen Weg bis unter den Sattel hochgepresst wie die Schwellung bei einer Verstauchung. Wäre das in gleichem Mass dem Stromer widerfahren (mit dem Akku im Unterrohr), so versperrte dort der Akku dem Fahrer die Sicht auf die Strasse! Der Modell-Name e.t. ist äusserst treffend gewählt, denn erinnert an den liebenswerten, weil hässlichen kleinen Kartoffelmann aus dem gleichnamigen Kino-Kassenschlager aus dem Jahr 1982.

Wie es so dasteht, das e.t., ganz Akku auf Rädern, erinnert es einen an einen Kompressor auf einer Strassenbaustelle. Du weisst schon, der Dieselmotor mit Rädern und Anhängevorrichtung, der unter Ohren betäubendem Lärm dem Presslufthammer Luft einpresst. Oder, um beim Bau zu bleiben, an einen Dumper, der im grossen und ganzen eine riesige Garette mit einem versteckten kleinen Sitz hinten dran ist. Nicht schön, sowas: ein Teil des Ganzen läuft  Amok, wird überproportional gross und drängt alle anderen Teile in den Hintergrund (fast wie die SVP, könnte man hier einwerfen). Auch gab es vor etwa hundert Jahren Autos, die fast nur aus Motor und Tank bestanden, und der fast winzig wirkende Fahrer am hinteren Ende versuchte verzweifelt und mit vollem Körpereinsatz, die Teufelsmaschine unter seinem Hintern irgendwie zu bändigen.

Vielleicht aber ist das mit den E-Bikes ja nicht einfach ein ästhetisches Problem (welches schon gravierend genug ist). Vielleicht ist das Stöckli-E-Bike einfach das seit einiger Zeit überfällige Zeichen vom lieben Gott: Wenn man den Akku und den Motor nicht so an ein Velo anmachen kann, dass es danach immer noch die grundlegensten Assoziationen hervorruft, welche man landläufig mit einem Velo verknüpft - Leichtigkeit, Einfachheit, Eleganz, Grazie, Gleichgewicht, wie auch immer - dann soll es möglicherweise EINFACH NICHT SEIN, dass Velos einen Motor und einen Akku haben! Zugegebenermassen war der brennende Dornbusch ein deutlicheres Zeichen, aber wir sollten in den paar Tausend Jahren seither ja auch was dazugelernt haben. Und ein Dornbusch wäre im Zusammenhang mit Fahrrädern auch eine unglücklich gewählte Metapher.

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Mein Name ist Hase

tamburin | 05 November, 2011 09:28

Heute habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und bin zum Reha-Zentrum gegangen. Das heisst, ins Reha-Center zu gehen, war eigentlich nicht direkt mein Wunsch. Ich habe aber spritzgekriegt, dass sie dort einen Pino vermieten. Einen Hase Pino. Ein Pino sieht so aus: Pino Ein Tandem, bei dem der vorne, der Stoker also, liegt, und der Captain hinten aufecht sitzt. Ein Hybrid zwischen normalem Velo und Liegerad, sozusagen. Oder zwischen Mountainbike und Eisenplastik, im besten Sinne. Abgesehen von den ganzen Vorteilen, die Tandems bieten - vereinte Kraft, alleine fahrbar etc. - hat man beim Pino als Captain die totale Über- und Aussicht, weil der Stoker nicht im Weg hockt. Und man kann sich mit dem Vordermann tipptopp unterhalten, weil man die Köpfe so nahe beieinander hat. Ist der Stoker ein Kind (hier an Kinderarbeit zu denken, wäre aber irregeleitete political correctness! Honi soit, qui mal y pense), kann man ihm sogar in voller Fahrt die Nase wischen. Und das kann durchaus ein Kind sein da vorne, man kann nämlich eine Kinder-Kurbelgarnitur montieren, welche der Beinlänge angepasst ist.

Aber genug technische Details. Ich habe mir also einen Pino fürs Wochenende gemietet und gleich meine Tochter vom Kindergarten abgeholt damit. Sie jauchzte während der halben Fahrt (war keine Kinderkurbel dran, sie konnte ihre Beine also einfach hängenlassen) und genoss jede Kurve in vollen Zügen. Sie blieb dann auch die ganze Zeit auf dem Velo sitzen, während ich Mittagessen kochte. Auch die anderen beiden Kinder waren hell begeistert, als wir kreuz und quer durchs Quartier sausten und wieder zurück. Ich musste beginnen, Buch führen, wer schon wie oft und wie lange und so weiter, um ärgere Tumulte zu verhindern.

Einzig das heimliche Oberhaupt der Familie fühlte sich ein wenig exponiert, als sie doch deutlich vor mir auf die befahrene Kreuzung raus musste, ohne aber was zum Kurs zu sagen zu haben. Ich meine: Gewöhnungssache! (Sie meint: Rollentausch ist angesagt. Wird sie mich auf dem Stokersitz balancieren können? Autsch.)

Ebenso Gewöhnungssache ist das Handling für den Captain. Das Velo ist natürlich nicht sehr wendig mit dem Rohr, das fast zwei Meter unter dem Sattel nach vorne ragt, und dem Lenker, der eine Normbadewanne bequem aufnehmen könnte. Das Vehikel ist aber trotzdem äusserst leicht zu bedienen, wenn man mal ein paar Kurven und Kreise gefahren hat. Sogar Wiegetritt soll möglich sein (was ich mit dem Nachwuchs vorne drauf nicht unbedingt ausprobieren wollte. Ich hatte es schnell im Griff, genoss die bequeme aufrechte Sitzposition und konnte anfangen, auf die Reaktionen am Strassenrand zu achten. Die waren zahlreich und, soviel ich gesehen habe, immer positiv. Vor allem Kinder liessen sich zu einem Aufschrei hinreissen. Der eine oder andere Autolenker wurde zum Verkehrsrisiko vor lauter Staunen.

Das war für mich das Grösste an dem Test und die wesentliche Erkenntnis: zu sehen, wie ein Velo die Leute auf der Strasse begeistern kann, jenseits von Carbon, Federweg und elektronischer Schaltung. Von meiner Begeisterung ganz zu schweigen. Der Gang ins Reha-Center hat sich definitv gelohnt.

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